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12.02.2018

From zero to zeroseven

Die Geschichte der zeroseven design studios

Bevor ich zur Gründung der zeroseven design studios einige Zeilen schreibe, möchte ich ein paar Worte zu den Anfängen meiner Selbstständigkeit zum Besten und wie die Entwicklung der Internettechnologie meinen Weg beeinflusste.

Der kurze Hype des Internet

Ich kann mich noch genau daran erinnern: Angefangen hat alles 1994, als ich mir meinen ersten eigenen Mac kaufte. Einen Power Macintosh 6100. Als gelernter Druckformhersteller/Schriftsetzer hat mich die neue Technologie um DTP (Desktop Publishing) extrem gereizt und interessiert. Der Startschuss zu meiner Selbstständigkeit war mit meinem ersten eigenen Mac, der Software QuarkXpress, Aldus Freehand und Photoshop gegeben. Meine erste Agentur meldete ich unter dem Firmennamen „TypoArts“ an. Die Aufträge zu Beginn waren überschaubar: Autogrammkarte, Stadionblättle für Fussballvereine und die eine oder andere Geschäftsausstattung. Mein erstes Logo war eine Mischung aus einer handgezeichneten Grafik, für den Schriftzug verwendete ich die Optima. Ich fand zu der Zeit die Optima total passend für den Schriftzug meiner ersten Agentur. 

Schreib und Notizblöcke aus Hanfpapier

Neben meiner kreativen Dienstleistung gestaltete ich Schreib-, Zeichen-, Notizblöcke und Schulhefte aus Hanfpapier, die ich parallel zu meiner Agenturleistung verkaufte. Um den Verkauf etwas anzukurbeln, schaltete ich in einem Hanfmagazin eine Anzeige mit meinen Produkten. Mit Erscheinen der Ausgabe ist mein Faxgerät damals heiß gelaufen. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, über Nacht erreichten mich fast 120 Bestellungen von diversen Hanf-Shops aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit meinen Produkten traf ich zumindest den Nerv der Hanfläden. Für die zweite Auflage meiner Schreibblöcke und Schulhefte importierte ich das Hanfpapier aus Ungarn. So machte ich meine ersten Erfahrungen mit diversen Materialien aus Hanf. Hanfpapier hat deutliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Papier und brilliert als nachhaltige Alternative zu den Papieren aus Zellstoff. Hanf ist ein schnell nachwachsender Rohstoff und bringt den vier- bis fünffachen Ertrag im Vergleich zu Holz. So ist der Zellstoff des Hanfs dem aus Holz überlegen. Darüber hinaus weist Hanfzellstoff eine höhere Reissfestigkeit auf und vergilbt nicht so schnell wie der Holzzellstoff. Die Vorteile haben mich überzeugt, als auch viele meiner damaligen Kunden. Der Erfolg des Hanfpapiers war ein erster Fingerzeig, dass ich Alternativen und neue Perspektiven erkunden müsse, um auch anders erfolgreich zu sein.

Meine ersten Berührungspunkte mit Websites

Ein damaliger Freund der Medieninformatik studierte machte mich auf die gerade aufkommende Internettechnologie aufmerksam. Das war zur damaligen Zeit einer der ersten Studiengänge, ich meine in Furtwangen, die sich mit der Internettechnologie beschäftigte. Der Umgang mit Druckdaten war mir ja schon vertraut und meine ersten Erfahrungen habe ich über meine Teilselbstständigkeit bereits gesammelt. Die Internettechnologie ermöglichte mir auf einmal die weitere Verwendung der Druckdaten. Bis dahin landeten die Druckdaten zuerst auf einem RIP (Raster Image Processor) und anschließend nach dem Druck im Backup auf Magnetband oder im Archiv und wurden nicht weiter verarbeitet.

Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass mit diesen Daten ein vielfaches mehr anzufangen ist. Aus meiner Leidenschaft zur Druckvorstufe eröffneten sich für mich neue Möglichkeiten. Die Faszination ließ mich nicht mehr los. Mit meinem ersten Buch „Gestaltungsgrundlagen für ein neues Medium Web-Design“ versuchte ich mit „Learning by doing“, wie man mit einem Texteditor und den richtigen Bildformaten eine Website bauen kann. Für sagenhafte 59,- DM lernte ich Schritt für Schritt eine Website zu programmieren. 

Ich glaube, ich war damals einer der Ersten, der im Alb-Donau-Kreis eine T-Online-E-Mail-Adresse besaß und per E-Mail erreichbar war. Mit meinem MAC, einer ISDN-Leitung mit damals 128 Kbit/s (2 x 64 Kbit/s) und einer Leonardo-ISDN-Karte konnte ich mich ins Internet einwählen. Mein damaliges E-Mail Programm war nicht wie heute von Apple, sondern von Claris. Ich surfte mit dem Netscape-Browser durch das weite Internet. Nach heutigen Gesichtspunkten alles sehr nostalgisch, obwohl es gefühlt noch gar nicht so lange her ist.

Nepster und Hotline waren die idealen Softwarelösungen, um digitale Daten zu tauschen und neue Sphären über das Internet zu erreichen. Die Software Hotline funktionierte ähnliche wie ein FTP-Programm. Mit dieser Software war es möglich einen Teil meiner Festplatte für den Datenaustausch freizugeben. Meine Online-Gebühren bei der Telekom erhöhten sich von Monat zu Monat. Zu meinen Spitzenzeiten lagen diese bei knapp 800 Mark. 

Unvergesslich meine Zeit an der FIND. Noch einmal die Schulbank drücken. Wir hatten eine tolle Klasse und einen super Klassenlehrer mit Herrn Böhringer.

Neben der Möglichkeit, Internetseiten zu programmieren, faszinierte mich auch die Programmierung von interaktiven CD-ROMs. Auch die Gestaltung und Entwicklung von Schriften hatte es mir angetan. Die neuen digitalen Medien verbanden alles miteinander: Typografie, Sound, Animationen und Interaktivität. Es war eigentlich klar, dass unter diesen Voraussetzungen das Internet seinen Siegeszug antreten muss, was es schlussendlich auch tat. Und so nahm alles seinen Lauf.

Ich bewarb mich auf einer der ersten Designschulen, die sich auf die Neuen Medien spezialisiert hatte. Mit der Zusage durfte ich nochmals die Schulbank drücken. Ein unbeschreibliches und freies Gefühl, den ganzen Tag sich mit den Themen zu beschäftigen, die einem Spaß machen und mich so fesselten. Die Fachschule für Informationsdesign in Reutlingen, kurz FIND genannt, war für mich der Start in eine digitale Ära - der Abschluss zum staatlich geprüften Informationsdesigner war für mich dabei nur Nebensache. Als Abschlussarbeit entwickelte ich mein eigenes interaktives Lehrbuch über Typografie mit dem Macromedia Director (danach Adobe Director), welches ich dann 1997 unter meinem eigenen Designlabel „TypoArts“ vertrieb.
Ich reservierte bereits Mitte der 90er die Domain typoarts.com für mein Designlabel über das ich meine Fonts, meine Typo CD-ROM und meine Agenturleistung anbot. Damals lag eine Domain noch bei über 500 Mark im Jahr. Für heutige Verhältnisse unglaublich teuer.

Typografische Ansichten war eine CD-ROM mit einem Sammelwerk an typografische Regeln, die mich extrem interessiert haben. Ich konnte die Zeit an der FIND nutzen und über meine Designarbeit eine interaktive CD-ROM entwickeln.

Zur gleichen Zeit versuchte ich, die damaligen Immobilienhändler in Ulm für eine gemeinsame Immobilienplattform „Immo-Ulm“ zu gewinnen. Leider war keiner von meiner Idee überzeugt, seine Immobilien mit denen seiner Mitbewerber auf eine Online-Plattform zu stellen. Für viele war das Internet damals nur eine kurzlebige Spinnerei. Vielleicht hätte ich damals konsequenter meine Idee von einer Immobilienplattform verfolgen sollen?

Meine damalige Designarbeit war die Grundlage für mein Fachbuch „The Grid System“. Das Wissen was ich damals in einer gebündelten CD-ROM zusammengefasst hatte, wollte ich in einem würdigen Rahmen noch einmal verlegen. Ein Buch nehme ich bei aller Digitalisierung gerne in die Hand, da es einfach etwas haptisches ist.

Our New Old Economy

Im Jahr 1997 stand das Internet in den Startlöchern und und wartete förmlich darauf, dass Agenturen sich seiner zu Nutzen machten. Diese sprossen damals wie Unkraut aus dem Boden und jeder bot auf einmal Internet- oder Multimedialösungen an. Der Arbeitsmarkt war leer gefegt von Fachpersonal. Parallelen zur heutigen Situation mit dem Fachkräftemangel. In vielen Fällen wurden Mitarbeiter eingestellt die keine Ahnung hatten, worum es sich hierbei drehte bzw. was der Kunde eigentlich wollte oder brauchte. Studenten wurden direkt vom 1. Praxissemester zum Abteilungsleiter „New Media“ ernannt. So schnell war sie geboren, die „New Economy“. All die „abgefahrenen“ und „innovativen“ Agenturen hatten Loft-Büroräume in den angesagtesten Gegenden der unterschiedlichen Städte. Der Traum von einem modernen Arbeitsplatz, mit tollen Aussichten und steilen Aufstiegsmöglichkeiten. Der Geschäftsführer war so jung, dass er kaum vom Praktikanten zu unterscheiden war. Lediglich das Outfit war ein Unterscheidungsmerkmal. Der eine trug einen Armani-Anzug der andere  eine Levi's-Jeans. Wie es sich für eine erfolgreiche Agentur gehörte, und um mit dem Hype mithalten zu können, musste natürlich auf jeder ordentlichen Firmenanschrift noch die Niederlassung von London, San Francisco oder New York stehen. Nun waren sie alle da, die virtuellen Traumagenturen. Wahrlich, es war ein toller kollektiver Traum, den alle damals träumten. Heute schnell zu einem Businesstalk nach San Francisco fliegen, morgen Kundenmeeting bei BMW und übermorgen Businessweekend in den Anden. So nahm alles seinen Lauf.

Nach dem Abschluss an der Designschule 1998 konnte ich meinen damaligen Arbeitgeber, eine Druckerei, nicht davon überzeugen, sich mit dem Thema Internet näher zu beschäftigen und deren Kunden Webseiten anzubieten. Keiner konnte mir die Möglichkeit bieten, den Job zu machen, der mir wirklich Spaß machte. Nach einem kürzeren Intermezzo in der neugegründeten Internetagentur „wepcare“ (wir schrieben wepcare mit „p“, da die Domain mit „b“ belegt war) von 1998 bis 2000 war für mich dann klar, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss.

Fuck Millenium. Die Schrift war ein Statement zu allem Unfug der zum Jahrtausendwechsel verbreitet wurde.

Fuck Millenium!

2000: Das Millennium, der Wechsel von 1999 auf 2000, lief trotz vieler Vorwarnungen ohne bösen Crash ab. Mein großes Interesse und Vorliebe zur Typografie und Schriftgestaltung hatten mich 1999 dazu veranlasst, mein eigenes Typo-Label „Eleven7“ ins Leben zu rufen. Durch den ganzen Hype um das Millennium hatte ich damals eine Schrift entworfen, die ich „Fuck Millennium“ nannte. Die vielen Schlagzeilen und Vorhersagen zum Jahrtausendwechsel nervten mich zum Ende hin immer mehr. Eine Zeit lang drehte sich alles um dieses Silvester, schlußendlich war es wie jedes Jahr.
Über mein Font-Label vertrieb ich meine eigenen Schriften und die Schriften von weiteren Designer:innen. Zur damaligen Zeit lernte ich per E-Mail den Fontdesigner Yanek Iontef kennen, dessen Schriften ich in meinem Label aufgenommen hatte. Yanek hat heute intensiv an der Entwicklung der IBM Plex Schrift mitgewirkt und hier die hebräischen Zeichensätze entwickelt. Ich gestaltete damals meine eigenen digitalen Fontbooks mit allen Schriften, die ich im Vertrieb hatte. Das war eine wunderbare Zeit.

Zur Entwicklung der DOT.COM Blase hatte ich in der Zeit eine passende Schrift gestaltet. Die DOT-COM findet ihr in unserem Blog-Beitrag "Freefont DOT-COM als Statement zur New Economy" zum freien Download.

Meine FontKit01 bis FontKit03 waren Fontkataloge zu den damaligen Schriften, die ich über meinen Fontlabel Eleven-7 vertrieb.

Die Gründung meiner ersten GmbH - unserer heutigen Agentur

Wie es sich für einen bescheidenen Schwaben gehörte, hatte auch ich die Träume von einer Niederlassung in London, San Francisco oder New York. Meine Motivation, Begeisterung und mein Stolz waren groß, endlich eine eigene Agentur zu führen. Diese Leidenschaft habe ich bis heute nicht verloren. Vielleicht ist es auch einfach das Unternehmer-Gen, das ich in mir habe? Der entscheidende Schritt hierzu war die Gründung meiner ersten GmbH, mit meinem damaligen Partner Tobias Heimpel. Die orangeflex Media Solutions GmbH, mit dem Firmensitz in einer ehemaligen Kofferfabrik. Für mich war das genau der Flair der New Economy. Nur in Ulm statt San Francisco. Ich lebte meinen eigenen Traum.
Das ich meine erste Internetagentur mit einem Partner zusammen gründete hatte viele Vorteile, denen ich mir bewusst war. So konnte ich auf die Erfahrung einer bereits existierenden Agentur zurückgreifen. Durch eine bestehende Organisation, hatte ich die notwendigen Unterstützung und Netzwerk, wie zum Beispiel zu einem Steuerbüro, Notar und alles was man so als junger Unternehmer benötigt. Das ersparte mir unnötig viel Arbeitszeit. Und ich verspürte somit ein Gefühl von Sicherheit, wenn mir auch von Anfang an bewusst war, dass die Kooperation nicht von Dauer sein wird.

Auf unser Corporate Design von orangeflex war ich stolz. Die Wort- und Bildmarke entstand aus der Schrift Meta, das Logo mit dem Zahnrad hatte ich damals mit Illustrator und einem 3D-Plugin realisiert. Das Corporate Design war eine Mischung aus dem auffallenden orange Pantoneton und einem eher dezenten Grauton.

In unseren Räumlichkeiten stand ein großer Billardtisch, an der Wand hingen Levi's Poster und wir hatten uns es wirklich gemütlich eingerichtet. Schließlich verbrachte ich fast drei Viertel meines Tages in den Räumlichkeiten. 

Nach knapp einem Jahr hatte ich die ersten beiden Mitarbeiter. Angefangen hatten wir mit einem eigens entwickelten CMS-System. Wir nannten es „orange+“. Darüber hinaus programmierten wir für unsere Auftraggeber.innen Online-Produktdatenbanken, die auf einem Webserver im Internet und lokal auf einem PC betrieben werden konnten. Was uns zu dieser Zeit ebenfalls faszinierte, war das Experimentierten mit diversen 3D-Technologien, wie „Viewpoint“ oder „Shockwave 3-D“. Wir beteiligten uns damals an der Agentur „Nextdimension“, die sich auf 3D-Technologie spezialisiert hatte. Gefühlt waren wir unserer Zeit voraus. Die Ideen waren da, das Interesse an der Technologie auch. Nur, der Markt war dafür noch nicht bereit. Leider konnten wir nicht alles das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten. Der Gründer und Geschäftsführer der 3D-Agentur Nextdimension Martin Buchmann hatte ein super Jobangebot von Macromedia erhalten (heute Adobe), was er nicht ausschlagen konnte. So hatten wir das Projekt einfach mal auf Eis gelegt. Vermutlich kommt die Zeit wieder, in der diese Technologien relevant sein werden und ein Markt dafür existiert. Metaverse was für neue virtuelle Welten steht, zeigt uns ja schon einmal den nächsten Schritt in diese Richtung.

Außer einem hippen Firmennamen und coolen Büroräumen hatten wir nicht viel von der New Economy mitbekommen. Uns war nicht einmal bewusst, dass wir zu jener Zeiten bessere Zahlen und vor allem Bilanzen schrieben wie Kabel-New-Media oder gar Pixelpark. 

Das Design eines unserer ersten Websites. Im Vergleich zu heute hat sich hier einiges verändert. Nicht nur die Bandbreite der Internetzugänge. Bilder und Emotionalisierung steht heute im Vordergrund und natürlich der Content.

The Web Designer‘s Bible - CreateOnline

In der Zeit von 2001 bis 2003 war ich Abonnent des Magazins "Cre@teonline". Ich muss hier wirklich ein Lob aussprechen. Es trug den Zusatz "The Web Designer's Bible" zurecht. Cre@teOnline schaffte es geschickt für uns Webdesigner einen interessanten Inhalt mit einem außergewöhnlichen Design zu vereinen. Jeden Monat wurden tolle und außergewöhnliche Webprojekte, neue Technologien oder auch Agenturen vorgestellt. Das war wirklich noch eine Zeit, in der das Webdesign eine experimentelle Zeit durchlief. Gerade bei uns Kreativen gab es eine Vielzahl von Websites, die durch ihren experimentellen Ansatz auffielen. Ich habe heute noch einige Ausgaben von damals. Manchmal nehme ich mir die Zeit und blättere mir die Agenturvorstellungen der damaligen Ausgaben durch. Viele Agenturen die in der Cre@teOnline vorgestellt wurden existieren heute noch. Dann werfe ich immer ein Blick auf deren Website und verliere mich in meinen Erinnerungen.

cre@teonline - The Web Designer's Bible. Das Magazin trug diesen Namen zu recht. Kein anderes Magazin hat die damalige Zeit und Technologie im Design und Inhalt so in Einklang gebracht. Schade, dass es solche Magazine heute nicht mehr gibt.

+ism war auch regelmäßig in der cre@teonline vertreten. Hier beispielhaft mit ihrer Schrift "Bioprosthesis".

Jeder sammelt so seine Erfahrung mit dem Medium Internet. Vor allem im Bereich der Typedesigner entwickelte sich eine Branche, die die Möglichkeiten im Design voll ausschöpften. Wenn ich an die damalige Zeit zurückdenke, dann fallen mir spontan vier Font-Labels ein, die prägend für diese Zeit waren. Das sind "+ism", "T26", "2Rebells" oder „Emigré“. Das Design der Schriften oder auch der Fontkataloge von +ism haben mich komplett begeistert. Darüber hinaus gab es aber auch viele junge Designer, die sich einen Namen machten. Zum Beispiel Germán Olaya, der gebürtige Kolumbianer hat bereits mit 16 Jahren angefangen Schriften zu entwickeln und diese über seine Website Typo5 zu vertreiben. Seine Schriften, wie auch das Design seiner Website, sind heute noch inspirierend. Das war noch eine Zeit, in der das Design einer Website frei gestaltet wurde, ohne jegliche Zwänge von Technologie oder den Anforderungen von Google.

Für unseren Beitrag haben wir die Fontbooks von +ism in MockUp's eingearbeitet. Die Designs von +ism ist heute noch so inspirierend wie damals. Hier ist jede Seite für sich ein Design-Kunstwerk.

Ich startete meine Selbstständigkeit unter anderem auch in eine Zeit hinein, in der die New Economy gerade zusammenbrach und das Internet, vor allem Internetagenturen, lange als verpönt galten und als Sündenbock für den Börsencrash der New Economy herhalten mussten. Die Zeiten waren schwierig. Unser hipper Firmenname blieb nicht lange. Meinen Firmennamen beim Patent- und Markenamt anzumelden erwies sich als Fehler. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Telekommunikationskonzern aus Frankreich die sich den Namen „Orange“ schützen ließen. Das solche allgemeine Begriffe überhaupt geschützt werden können, finde ich alles andere als sinnvoll. Schlussendlich war die rechtliche Einschätzung, keinen Kampf gegen einen internationalen Konzern zu führen, mit einem positiven Ausgang eher unwahrscheinlich. Am Ende hätte vermutlich nicht das Recht gesiegt, sondern der, der die größere Portokasse hat. Am Ende muss man ja auch immer etwas positives daran sehen, über Umwege sind wir zu unserem Firmennamen zeroseven gelangt. 

So nebenbei hatten wir die New Economy einigermaßen unbeschadet überstanden. Wir freuten uns über unsere Arbeiten und all die neuen Technologien, mit denen wir uns auseinandersetzen durften. Vor allem aber über die Anerkennung, die wir von unseren Auftraggeber.innen erhielten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Pitchpräsentation in Santa Cruz

Im Jahr 2001 ermöglichte mir mein damaliger Partner Tobias - für mich ganz unerwartet - dass wir in den USA eine Präsentation abhalten durften. Er rief mich damals irgend wann um 03:00 Uhr nachts aus den USA an, schmiss mich aus dem Bett und erzählte mir von seinem Deal. Curious Labs planten ihren neuen Internetauftritt und luden uns zu einer Präsentation direkt nach Santa Cruz ein. Wir präsentierten damals das neue Design der Webseite mit einer integrierten 3D Technologie. Curious Labs war Vorreiter im Bereich Softwareentwicklung für 3D Charakter (Avatare). Da wir uns bereits mit der 3D Technologie Viewpoint beschäftigten, auf deren Technologie Curious Labs setzte, war es für uns möglich, dass wir eine Demoseite mit integriertem Avatar aufsetzen konnten. Mit diesem Projekt und der Reise konnten wir doch ein wenig das Feeling von San Francisco und Silicon Valley schnuppern. Ein Hauch New Economy und ein Stück meiner Träume wurde damit wahr. Unser Flug ging direkt nach San Francisco. Von dort aus fuhren wir mit einen Mietwagen auf dem Highway 1 an der Küste entlang südlich nach Santa Cruz. Die Fahrt auf dem Highway 1 war ein unbeschreiblicher Moment. Das Gefühl der Freiheit und grenzenlosen Arbeiten belegten genau das, was man der damaligen New Economy nachgesagt hatte. Auf der Fahrt nach Santa Cruz hielten wir einige male an und liefen den Strand entlang. Ich erinnere mich noch heute, damals ging ein starker Wind, was für viele Surfer die wir sahen, vermutlich ein toller Wellenritt bescherte. Santa Cruz gilt nicht umsonst als Surferparadies. Das Erlebnis dieser Reise in die Technologieregion der USA bleibt mir immer in Erinnerung. Die Rückfahrt ging dann wieder über den Highway 1 nach San Francisco hoch. Mir fällt es heute noch schwer, den Moment in Worte zu fassen. Ich glaube, so eine Reise muss man einfach mal selber machen um zu verstehen, wovon ich schreiben. Ich besuchte in den Folgejahre noch weitere male Santra Cruz. Bis zu unserem Rückflug konnten wir noch ein paar Tage in dieser tollen Stadt verbringen. Das waren die Momente, die mir damals schon zeigten, dass die Selbstständigkeit genau mein Ding ist. Und, dass es sich lohnt Träume zu haben, die einen antreiben und motivieren.

Erinnerungen an unsere Präsentation in Santa Cruz bei Curious Labs. Die Südküste Kaliforniens bereiste ich noch öfters. Das Land und die Eindrücke haben mich nie losgelassen.

Der Börsencrash

Parallel zu unserer Firmenentwicklung kam es, wie es kommen musste. Die große Blase „New Economy“ platze und verursachte einen der größten Börsencrashs. Die Aktien der großen Agenturen wie Kabel-New-Media waren nicht einmal mehr das Papier wert, auf das diese gedruckt waren, trotz vielversprechender Aussichten als Aktionär oder Investor. Der Markt bereinigte sich von ganz alleine. Viele Agenturen ließen ihre Federn oder schrumpften auf eine ordentliche Größe. Auf einmal stand eine Vielzahl kompetenter und qualifizierter Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und es wurde wieder auf Werte und Abschlüsse geachtet.

Zu dieser Zeit, es war 2003, hatten wir in der Agentur unseren vierten festen Mitarbeiter eingestellt und uns der Verantwortung angenommen auszubilden. Wir sind davon überzeugt, dass eine gute Ausbildung im eigenen Haus den Bedarf für zukünftiges Fachpersonal sicherstellt. Das hat sich für uns bis heute nicht verändert.

Neben der personellen Entwicklung zog das Internet mehr und mehr in Kommunikationskonzepte von Unternehmen ein und schaffte Mehrwerte und Nutzen für diese. Auf der einen Seite wurden Contentmanagement-Systeme wie TYPO3 eingeführt und auf der anderen Seite Unternehmensprozesse im Internet abgebildet sowie tragbare Online-Shops entwickelt. Wir entschieden uns damals schon für TYPO3, weg von einer individuellen CMS-Entwicklung.

graphicdisc - Individual Disc's for individual People

Unsere ersten Erfahrungen mit E-Commerce-Lösungen konnten wir bereits 2003 sammeln. Damals gründete ich das Label "graphicdisc", welches bedruckte CD-Rohlinge über das Internet vertrieb. Die Idee hinter graphicdisc war, möglichst vielen Menschen CD-Rohlinge mit einem tollen Design anzubieten. Jedes Musik-Sample ist eine persönliche Zusammenstellung von Liedern, die eine passende Form als Speichermedium braucht. Damit wir über das Label tolle Designs bereitstellen konnten, schrieb ich unterschiedliche Designer auf der ganzen Welt an. Das Geschäftsmodell war, der Designer liefert an graphicdisc ein Design für ein CD-Label und erhält im Gegenzug für jedes seiner Designs 20 Exemplaren von den bedruckten CD-Rohlingen. Das kam sehr gut bei den Designern an. Was mich damals total stolz machte war, dass ich zwei meiner Lieblingsdesigner für meine Idee gewinnen konnte. 

Mit Robert Lindström von "The Design Chapel", konnte ich einen der angesagtesten Designer aus Schweden gewinnen. Robert ist Gründer der Agentur "NorthKingdom", eine der besten Adressen, wenn es um kreative digitale Arbeiten geht. Ich verfolge heute noch mit großem Interesse seinen Weg.

Ein weiterer Top-Kreativer, für mich eine der schillerndsten und prägendsten kreativen Persönlichkeiten der damaligen Zeit, war Arnaud Mercier. Gründer und Geschäftsführer von "AREA 17", eine französische Agentur, die heute ein Büro in Paris und New York hat. Arnaud ist für mich ein Designer, der ein Gefühl für Formen, Bilder, Illustrationen und Typografie hatte, wie kaum ein anderer. Seine Designs sind für mich heute noch genauso angesagt und außergewöhnlich, wie damals. Einfach ein zeitloses Design, das jeden Trend überlebt. Seine Arbeiten und Designs haben mich wie kaum ein anderer inspiriert und fasziniert. Leider ist Arnaud schon sehr früh verstorben. Ich hatte das erst per Zufall 2019 erfahren, was mich sehr traurig gestimmt hat. Ein toller Mensch und Designer, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Weitere CD-Labels von Gast-Designern, die für graphicdisc gestaltet haben, oder auch eigens entwickelte Designs (unteres Bild).

Unseren ersten Online-Shop programmierten wir mit xt-commerce. Eine OpenScource-Lösung, die zum Beginn des Online-Handels extrem verbreitet und beliebt war. Wir hatten damals alles wichtige und notwendige in den Shop integriert. Die Rohlinge konnten direkt per Kreditkarte bezahlt werden und wurden dann von mir persönlich verpackt und verschickt. Wir betrieben den Shop fast vier Jahre, bis dann iTunes so verbreitet war, dass kaum noch jemand Musik auf CD-Rohlinge brannte. Ein paar wenige Rohlinge sind heute noch übrig.
Es ist immer hilfreich, wenn man über eigene Projekte Erfahrungen sammeln kann. Der Online-Handel hat sich gewaltig verändert im Vergleich zu damals. Wer heute mit einem Online-Shop erfolgreich werden will, der benötigt entweder ein großes Startkapital, oder eine so gute und vielleicht ausgefallene Idee, dass der Vertrieb abseits von den Großen wie Amazon sich entwickeln kann. Wenn wir heute zurückblicken auf viele Jahre Shop-Entwicklung, so haben wir so manches Projekt auf die Straße gebracht. Auch heute betreiben wir einen eigenen Online-Shop. Hier verkaufen wir Produkte, die wir im laufe der Zeit selber entwickelten.

Das hippe Arbeiten in einer Agentur

Das Agenturen einen besonderen Flair zugesagt wird und dass die Creativ-Branche für viele ein Magnet ist, weil es dort ungewöhnliche Arbeitsformen gab, traf glaube ich auch bei uns zu. Die Voraussetzungen haben sich sicherlich in den Jahren zu heute verändert. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als wir oft bis nachts um 23:00 Uhr in der Agentur waren und gearbeitet hatten. Zum Abschluss des Tages sind mein Partner Tobias und ich dann regelmäßig in die Sissi-Bar in Ulm gegangen. Das war damals bei uns in Ulm eine der cooleren Bars, direkt in der Frauenstraße, wo man zu später Stunde auch noch unter der Woche einen Trink bekam. Meist noch einen kurzen Averna zum Abschluss mit einem kleinen Gedankenaustausch. Im Nachhinein betrachtet, war das eine tolle Zeit, die ich als junger Unternehmer erfahren und erleben durfte. Wenn wir auch in Ulm weit weg von den hippen New Economy Städten waren, wie zum Beispiel Berlin, London, New York oder auch San Francisco, so hatten wir unseren eigenen Ulmer New Economy Spirit ins Leben gerufen. Und der fühlte sich verdammt gut und einzigartig an. Damals träumte ich noch davon, dass ich auch mal eine eigene Bar betreiben wollte. Ich wollte die Bar immer 747 nennen und alle Mitarbeiter mit der Arbeitsbekleidung von Stuardessen ausstatten. Heute ist es keine Bar aber eine Bowlingbahn mit Burgerrestaurant. Immerhin auch eine Gastronomie.

Unser Neuanfang

Die zeroseven design studios zogen 2006 in die Hahnengasse, Mitten in Ulm. Für uns war es ein Neuanfang. Raus aus den alten Räumlichkeiten, rein in die Stadt. Ein kompletter Neuanfang, nachdem mein Partner und ich getrennte Wege gingen. Das war damals ein ganz wichtiger, entscheidender Schritt in meiner Selbstständigkeit. Ich verspürte in mir eine innere Befreiung und eine nicht müde werdende Motivation, die Agentur zu entwickeln, von der ich immer träumte. In der ich für meine Entscheidungen geradestehen muss. Verantwortung zu übernehmen und zu haben kann auch ein befreiendes Gefühl sein. Das ist nicht immer jedermanns Sache, aber für mich war es immer ein Antrieb. Die knapp 120 qm großen Büroräume boten uns ein heimisches Ambiente. Unser heutiger Creative Director und Kreativ-Geschäftsführer Sebastian Feurle war zur damaligen Zeit auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb, der ihn übernimmt. Ich kann mich heute noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ein junger Kerl mit Strohhut stand auf einmal vor mir und erzählte, dass sein Arbeitgeber schließen muss und er einen Ausbildungsbetrieb sucht, in dem er sein letztes Ausbildungsjahr absolvieren kann. Das Sebbi als einer der beiden Jahrgangsbesten im Kreativ-Bereich abschloss, war für mich nicht verwunderlich. Es sind die Zufälle und die außergewöhnlichen Wege, die Menschen zusammenbringen.

Der Eingangsbereich unseres ehemaligen Büro in der Hahnengasse 1. Von 2006 bis 2013 waren wir in der Hahnengasse in Ulm.

Unsere passende Brandstory

Zu unserem Neuanfang in der Hahnengasse entwickelten wir eine visuelle Identität mit der passenden Brand-Story. Uns faszinierte das Thema Raumfahrt als Metapher und Brücke zur Internettechnologie. Das technisch komplexe Thema lässt sich gut anhand von Beispielen aus der Raumfahrt beschreiben. So entstand unsere eigene Broschüre, interaktive CD-ROM und Website, die wir damals noch mit Flash programmierten.
Flash und Flex waren zwei Technologien, die sehr eng miteinander verbunden waren und die uns begeisterten. Nebenbei beschäftigten wir uns intensiv mit TYPO3, dem neuen Stern am Himmel für die Umsetzung von Websites.

Das Contentmanagement-System TYPO3 nutzen wir seit 2003. Flex lag aufgrund unseres Flash-Know-hows sehr nahe. Mit der Vorstellung des iPhones von Apple war die Technologie zum Tode verurteilt. Mit der Vorstellung des iPads war klar, dass diese Technologie auf Dauer keine Relevanz mehr haben wird. So nutzten wir unser internes Know-how in der Flex- sowie Flash-Entwicklung und stiegen auf ObjectiveC um, was die damalige Programmiersprache der Apps für das iPhone und iPad war.

2016 feierte Sebastian Feurle sein 10 jähriges Firmenjubiläum in den zeroseven design studios. Unser ehemaliger Auszubildender ist heute Head of Creation.

Klassisch oder rein digital, oder gar Architektur?

Bleiben die zeroseven design studios eine reine Digitalagentur oder bauen wir uns darüber hinaus noch weitere Expertisen in der Markenentwicklung/-führung und Architektur auf? Das waren die Fragen, die für unseren zukünftigen Weg als Agentur entscheidend waren. Neben unserer Digitalexpertise war für mich die Markenentwicklung und das Markenverständnis eine wichtige Komponente in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Digital führen kann man nur dann richtig, wenn das Verständnis der Markenentwicklung vorhanden ist. Und jede Maßnahme in der Kommunikation sollte auf einem Markenziel einzahlen. Neben der reinen digitalen Expertise entwickelte sich die Agentur darüber hinaus im Bereich der Marken- und Marketing-Expertise weiter. Auch den Bereich SEO verankerten wir schon sehr frühzeitig mit eigenen Mitarbeitern in unserer Agentur. Für uns war klar, dass Technologie, Design und Markenentwicklung für die Zukunft drei wichtige Eckpfeiler sein werden. So war es dann irgendwie auch kein Zufall, dass ich über ein gemeinsames Projekt 2013 Eva Kalcker als Interims-Marketingleiterin in einem Ulmer Unternehmen kennenlernte. Auch hier haben sich die Wege von zwei Menschen auf eine etwas ungewöhnliche Weise gekreuzt und zueinandergefunden. Ein Glück für die zeroseven design studios, welche die Expertise für Marken und Markenentwicklung damit fest in das Leistungsportfolio der Agentur verankern konnten.

Architektur, ein bleibender Eindruck.

Meine ersten Berührungen mit der Architektur hatte ich dann aber über einen doch etwas ungewöhnlicheren Weg. Ein guter Freund von mir, der ebenfalls eine Agentur betreibt, hatte die Idee, ein Café zu eröffnen. Das Konzept des Cafés sollte über Fracht-Container umgesetzt werden. Als mein Freund mir das erzählte, war ich sofort Feuer und Flamme für seine Idee und wollte ein Teil davon sein. Gesagt, getan! Wir gründeten mit zwei weiteren Freunden die Ungewöhnlich GmbH und betrieben fortan ein Tagescafé. Die Umsetzung des Tagescafé‘s haben wir dann mit zwei Fracht-Containern realisiert. Die zeroseven design studios entwickelten das Erscheinungsbild und die Website zum Café. Das Thema Architektur hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Das Erscheinungsbild und die Speisekarten wurden komplett von zeroseven entwickelt. Parallel gab es damals noch eine Flash-Website.

Der Weg in unsere eigene Kirche

Ich war bereits eine längere Zeit auf der Suche nach neuen und passenden Agenturräumen. Per Zufall hatte ich das Glück, ich glaube die göttliche Fügung, dass ich 2009 die Räumlichkeiten der Zionskirche zum ersten Mal betreten durfte. Einen Moment, der die Entwicklung der Agentur verändert und nachhaltig geprägt hat. Mit dem ersten Schritt in die Zionskirche war mir sofort klar, dass die Räumlichkeiten genau das sind, was ich gesucht habe. Die Räume sowie deren Atmosphäre ließen mich nicht mehr los und zeigten mir ganz klar, welchen Weg ich mit der Agentur gehen werde. Das sind wiederum Momente im Leben, wo einem innerhalb von Sekunden klar ist, welchen Weg einer gehen muss. Du stehst vor einer Kreuzung und weist sofort, welche Richtung die Richtige ist. Das die Räumlichkeiten wie auf uns zugeschnitten sind, wurde mir erst später bewusst. Wir füllten diese mit Leben und dem notwendigen Geist. Die Räumlichkeiten sind für uns Ausdruck und Haltung zugleich.

Der Umbau der Zionskirche war für die zeroseven design studios der erste Schritt in den Bereich Corporate Architecture. Begonnen hat alles mit einer Abrissparty im 2. Obergeschoss der Zionskirche. Viele Gäste und Auftraggeber:innen folgten unserer Einladung. So konnten wir zum Start des Umbaus noch einmal mit unseren Kunden zusammen in den Räumlichkeiten feiern. Ein dankbarer Schritt für mich, da wir ohne unsere Auftraggeber:innen nicht an diesem Punkt stehen würden.

Die komplette Planung sowie den Umbau der Agenturräume führte ein neu gegründetes Team durch. Wir hatten es selber in der Hand, wie wir unser Arbeitsumfeld und die Zionskirche gestalten und interpretieren. Für mich war immer klar, dass ich den Charakter der Kirche erhalten möchte. Das war eine spannende und erfahrungsreiche Zeit. Viele Besprechungen und Abstimmungen mit öffentlichen Baubehörden, dem Denkmalschutz und dem Brandschutz. Die Herausforderung und Erfahrung im Umbau von denkmalgeschützten Gebäuden war sehr lehrreich für uns als Agentur und für die Entwicklung unseres Corporate Architecture Bereichs. In vielen Diskussionen hatten wir uns am Ende immer auf eine für das Gebäude sinnvolle Lösung geeinigt. Die Diskussionen waren immer fair und partnerschaftlich.

Für die Planung und den Umbau der Agenturräume versuchte ich so viele Ideen und Gedanken wie möglich einfließen zu lassen. Mir war es wichtig, das Bauvorhaben aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu durchleuchten. Unabhängig von Machbarkeit oder nicht. Hierzu nutzte ich die Chance, mit der Architekturhochschule AMD in Hamburg in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Elke Jensen eine Projektarbeit in ihrer Architekturklasse zu platzieren. Sechs Teams á 4 bis 6 Studenten setzten sich dann mit dem Thema auseinander. Hier entstanden tolle Ideen und Lösungen für eine Architektur, die frei von jeglichen Zwängen und Auflagen war. Natürlich auch mit dem Ergebnis, dass die Umsetzung teilweise sehr teuer werden könnte. Zu diesem Anlass präsentierte ich das Bauvorhaben an der Hochschule in Hamburg. Knapp 6 Wochen später präsentierten mir die sechs Gruppen ihre Entwürfe und Interpretationen.

Die zeroseven design studios zählte damals schon knapp 20 Mitarbeiter.

Der Umzug in die neuen Agenturräumen

Am 23. Dezember 2013 zogen wir in die neuen Agenturräumlichkeiten in der Zionskirche. Offiziell war der Umzug und die Eröffnung am 07. Januar 2014. Alles war neu, von den Möbeln, über die Infrastruktur bis hin zur Technologie. Ein großer Schritt für uns, der uns aber wieder weiter nach vorne gebracht hat. Es ist nicht selbstverständlich, was wir alles geschaffen haben und wie gut die Agentur heute dasteht. Es ist das Ergebnis eines tollen Teams und vielen genialen Menschen, die den zeroseven design studios über die Jahre die Treue hielten und unseren Weg auch mitgeprägt hatten.

Neben unseren neuen und tollen Agenturräumen haben wir das Glück, dass direkt vor unserer Haustüre der schönste Stadtpark in ganz Ulm ist. Der alte Friedhof hat eine über tausendjährige Tradition und eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Stadt Ulm.

Vieles, was uns manchmal als selbstverständlich erscheint, ist eben nicht selbstverständlich. Dass sich Menschen finden, die gemeinsam ein Ziel, eine Vision haben und diese vorantreiben, ist eine wundervolle Fügung und Kraft. Wenn wir unsere Ziele und Visionen hin und wieder hinterfragen sowie regelmäßig aufs Neue schärfen, so bleiben die Werte oder das, woran wir glauben, uns immer erhalten. Zumindest sollte uns immer bewusst sein, dass wir uns die Frage nach den Werten und das, an das was wir glauben immer stellen müssen. Nur wer dauerhaft diese Frage mit „ja“ beantwortet, kann dann mit Leidenschaft bei der Sache sein. Wachstum mag planbar sein, besser ist es aber meiner Meinung nach, wenn es sich aus der inneren Kraft und Dynamik entwickelt.

So war es vermutlich wieder kein Zufall, dass ich 2015 Rudolf Moser kennengelernt habe, der ebenfalls eine prägende Rolle bei uns in der Agentur eingenommen hat. Ein Auftraggeber:innen hat uns eine Empfehlung ausgesprochen, ohne dass wir aktiv in diesem Moment nach einem Mitarbeiter gesucht haben und es hat von Anfang an einfach gepasst. In meiner heute über 20-jährigen Selbstständigkeit kann ich mich auf eins verlassen, dass wenn mein Bauch "ja" sagt, dann ist das selten schief gegangen. Und das weiss ich meistens nach wenigen Minuten. Auch das ist eine Erkenntnis, die sich durch keinen Personalfragebogen ersetzen lässt. Diese sensible Fähigkeit hatte ich mir bereits in meiner Kindheit angeeignet.

Das Architekturmaganzin id+c veröffentlicht ein Artikel über die Zionskirche

Dass unser Weg aus architektonischer Sicht ein außergewöhnlicher Schritt war, hat uns die Anfrage vom chinesischen Architekturmagazin „id+c“ gezeigt. Sie wollten einen redaktionellen Beitrag über unsere Räumlichkeiten in ihrem Magazin veröffentlichen. Wir hatten unseren Umbau in diversen Architekturplattformen veröffentlicht. Über diesen Weg ist vermutlich auch id+c auf uns aufmerksam geworden. Am Anfang war ich noch sehr skeptisch, ob es sich mit der Anfrage nicht um einen Fake handelt. Umso mehr freuten wir uns, als sich herausstellte, dass es dieses Magazin wirklich gibt.

Kaum zu glauben, dass es unsere Agenturräume bis in ein chinesische Architekturmagazin geschafft hat. Darauf sind wir ebenfalls stolz.

Mit dem Einzug in die Zionskirche entwickelten wir unser Corporate Design kontinuierlich weiter. Den Anfang macht unsere eigene Schrift „zeroseven“. Mit dem Start unserer Neupositionierung hinterfragten wir auch unser Erscheinungsbild, ob es noch unserer Haltung und Ausdruck gerecht wird. Ein weiteres Kriterium, welches den Prozess ins Rollen gebracht hat, war unser Unternehmensstandort, unsere Ulmer Wurzeln und die emotionale Verbundenheit zur HfG (Hochschule für Gestaltung) in Ulm. Diese Inspiration und unsere tägliche Arbeit in der Tradition der „Guten Form“ haben uns zu dem Schritt bewegt, die eigene Corporate Font neu zu evaluieren. So wechselten wir unsere Hausschrift von der Frutiger zur Inter. Unser visueller Ausdruck stand dadurch mehr im Einklang mit unserer Haltung. Ein konsequenter Schritt in unserer Markenbildung.

Junith Digital Agency unsere Tochteragentur

Mit unserem Wachstum als Agentur sind wir dann zwangsweise auch an einem Punkt gestoßen, dass wir durch unsere Herangehensweise, wie wir Projekt entwickeln, nicht mehr für jeden Auftraggeber:innen der geeignete Partner sind. Ich glaube an diesem Punkt stehen viele Agenturen, die einen gewissen Wachstumsprozess einschlagen. Unterschiedliche Schwerpunkte oder auch Know-how was wir bei uns in der Agentur aufgebaut haben, versuchen wir natürlich auch bei unseren Kunden einfließen zu lassen. So ist es am Ende dann klar, dass ein Projekt nicht mehr nur bei zwei oder drei Personen liegt, sondern dass verschiedene Bereiche bzw. Disziplinen sich in einen Entwicklungsprozess integriert werden müssen. Nur so kann das beste Ergebnis erzielt werden. Für mich war es dann 2016 irgend wie auch klar, dass ich Auftraggeber:innen die nur eine kleinere Website benötigen, nicht verlieren möchte. Für diese Zielgruppe hatten wir mit TYPO3 einen PageBuilder entwickelt, den wir dann erfolgreich für kleinere Website einsetzen. 

Dieses Konzept verfolgen wir bis heute. Nur mit dem Unterschied, dass wir das CMS-System TYPO3 durch Statamic ersetzten. Statamic ist ein etwas kleineres und flexibleres CMS-System, was für solche Projekte einfach die bessere Voraussetzung liefert. 

Für unsere Kundenanfragen ist das aber ein großer Vorteil, dass wir nicht an eine Lösung gebunden sind, sondern die Erfahrung und Technologien aus zwei Welten einfließen lassen.

zeroseven feiert 20 jähriges Firmenjubiläum. Das Jahr der Pandemie.

Wir schreiben das Jahr 2020 und sind mittlerweile bei 40 Mitarbeitern angekommen. Das Wachstum einer Agentur unterliegt einzelnen Phasen und Prozessen. Hier durchläuft man auch Phasen, in denen man vor Entscheidungen steht, in welche Richtung sich ein Unternehmen weiterentwickeln will und kann.

Das ist immer eine Herausforderung und steckt voller neuer Erfahrungen. Am Ende mag Führung ein wichtiger Faktor für den Geschäftserfolg sein, aber was aus meiner Sicht viel wichtiger ist, ist das Vertrauen in Menschen. Vertrauen auch einmal Fehler zu machen, aber dann aus Fehlern auch zu lernen. Ob man als Unternehmen erfolgreich in Zahlen gemessen ist oder nicht, war für mich nie ein Antrieb. Natürlich muss sich ein Unternehmen am Ende des Monats tragen, um die Gehälter auch bezahlen zu können.
Die Verantwortung für mittlerweile viele Mitarbeiter und auch teilweise Familien zu tragen, das zeichnet für mich am Ende den Faktor Erfolg aus. Der Erfolg definiert sich aus der Gemeinschaft von Menschen, in der jeder eine Rolle einnimmt. Ja, und auch hier muss am Ende eine Entscheidung getroffen werden, nach rechts oder links laufen. Und manchmal müssen auch Entscheidungen getroffen werden, die einfach weh tun. Das ist das harte Brot eines Unternehmers. Diese Verantwortung kann einer oder mehrere tragen. Die, die es dann entscheiden, müssen es dann auch tragen. Das beschreibt Verantwortung. Wenn es auch manchmal unbequem wird.

Darüber hinaus ist für mich heute wie noch vor über 20 Jahren zur Gründung meiner Agentur immer noch einer der wichtigsten Antriebe, aussergewöhnliche Lösungen zu entwickeln. Vermutlich hängt das stark am persönlichen Anspruch, was ich von mir erwarten, verlange und was ich bereit bin zu gehen. Das bezieht sich auf unterschiedlichste Bereiche unserer Agenturleistungen. Angefangen im Design, in der Typografie, bis hin zu neuen Wegen in Workshops, die immer zu besseren Lösungen führen. Und natürlich in Kommunikationslösungen, die Menschen inspirieren sollen. Kommunikationslösungen bedeutet für uns die Welt der Kommunikation. Angefangen vom Backend einer Website bis hin zu einem Videoclip, der Menschen berührt und inspiriert. Unser Anspruch an Design und Technologie ist auch eine Haltungsfrage. Wir versuchen so gut es geht immer das Optimum herauszuholen. Wenn das auch manchmal eine Extrameile bedeutet, so ist es am Ende wichtig, dass wir für uns das Gefühl haben, das wir das beste Ergebnis erreicht haben.

Gute Ausbildung zahlt sich aus

Nach wie vor ist für uns die Aus- und Weiterbildung eine wichtige Säule. Jungen Menschen eine Entwicklungsmöglichkeit zu bieten und gute Mitarbeiter auszubilden ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Vielleicht weil uns bewusst ist, dass Qualität eng mit Bildung verknüpft ist. Auch hier hatten wir immer wieder Glück tolle, junge Menschen für uns zugewinnen, die bei uns eine Ausbildung absolvierten. Gute Ausbildung ist von vielen Faktoren abhängig. Der, der ausbildet und von dem der ausgebildet wird. Ich bin in einer Zeit groß geworden, da galt der Leitsatz „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Was nichts anderes bedeutet, dass ich damals als Auszubildender mir für nichts zu schade sein musste. Wenn ich meine Zeit von damals mit heute vergleiche, dann ist es vermutlich mühselig darüber zu diskutieren, ob damals die bessere Zeit war oder nicht. Ich glaube aber, dass für eine gute Bildung die Bereitschaft der Extrameile da sein muss. Nur so sammeln wir die Erfahrung und Erkenntnis, die am Ende den Unterschied zwischen Vorausgehen und Mittelmaß ausmacht. Und auch der offene Diskurs ist eine Form der Bildung und der Entwicklung, die für jeden in unterschiedlichen Lebenssituationen wichtig ist. Der Anfang ist hier hoffentlich nicht erst in der Ausbildung.

Das Jahr 2020 wird uns langfristig in Erinnerung bleiben zu unserem 20-jährigen Jubiläum. Das unser Jubiläumsjahr von der Corona-Pandemie geprägt war, hätten wir uns anfangs nicht vorstellen können. Eine Krise, die unser Land und Arbeitswelt nachhaltig verändert hat. Es hat uns jedoch auch vor Augen geführt, wie wichtig die Digitalisierung und die Transformation für Unternehmen und Marken ist.

Beides ist heute untrennbar miteinander verbunden und ein wesentlicher Faktor für den Geschäftserfolg. Dabei ist immer die Frage, was ist Erfolg in Zeiten Corona und darüber hinaus. Sind es die Aktienkurse, die uns vorantreiben und motivieren, oder die "Veränderung" und auch "Besinnung" in eine Zeit, die nicht von einer Dividende geprägt sein wird und hoffentlich muss.

Dafür trägt aber jeder von uns einen Teil der Verantwortung, dass es hier zu Veränderungen kommt. Ob es richtig ist, dass Unternehmen wie Apple, die drei Tage nach der Verkündung eines Rekordquartals eine Pressemitteilung veröffentlichen, dass sie die Miete aufgrund der Corona-Pandemie hätten halbieren wollen. Oder auch Unternehmen wie Adidas, die einen ähnlichen Weg hätten einschlagen wollen, obwohl diese ein Jahr zuvor Rekordgewinne erzielten? Solche Krisen kann man nur gemeinsam meistern. Das ist ein Geben und Nehmen. Sonst wird am Ende unserer Marktwirtschaft nur große Konzerne übrig bleiben, die dann allen anderen den Weg diktieren. Hier tragen wir alle die gleiche Verantwortung, dass diese Situation uns nicht einholt. Der Mittelstand, zudem ich uns als Agentur definitiv zähle, ist eine tragende Säule in der Marktwirtschaft hier in Deutschland. Leider vergisst das unsere Regierung regelmäßig, welche tragende Rolle dieser Mittelstand ausmacht.

Gefühlt befanden wir uns wie 2003 zu unserer Gründungszeit in einer Krise, die im Vergleich zu damals nicht durch die Gier von Aktiengewinnen zustande gekommen war, sonders durch einen Virus.

Bei allen Herausforderungen als Arbeitgeber hatten wir das Corona-Jahr gut überstanden. Das ist nicht selbstverständlich. Mit Einschnitten, unter denen wir alle litten, aber wir sind dankbar, dass alles doch so seinen Weg gefunden hat. Andere Branchen mussten unter der Corona-Krise deutlich mehr leiden. Denken wir einfach mal an die Gastronomie. Für diese Branche war die Pandemie ein harter Einschlag. Das Jahr hat aber Veränderungen angestoßen, die uns noch lange begleiten werden. Veränderungen in der Form des Arbeiten und des Miteinander. Und wir können heute noch nicht einschätzen und abschätzen, welche tatsächlichen Veränderungen aus diesem Jahr uns noch bevorstehen. Wie stabil wachsen die Kinder und Schüler auf, die unter dem Einfluss der Pandemie die Schulbank drücken mussten. Mit welchen Einschnitten und Entwicklungen ist in zehn Jahren zu rechnen? Fragen, die wir heute noch nicht beantwortet bekommen, schauen wir trotzdem zuversichtlich nach vorne. Die Chancen und Möglichkeiten zu sehen und zu erkennen, auch das ist ein wichtiges Gen bei einem Unternehmer.

Ein wichtiger Mosaikstein in unserer Agenturentwicklung war 2021, als ich unseren Technical Director Patrick Daether als neuen Mitarbeiter in unserem Managing Board gewinnen konnte. Patrick war zu meinen Anfangszeiten 2003 bereits bei mir in meiner Agentur angestellt. Unsere Wege trennten sich 17 Jahre lang. Aber irgend wie hatte ich Patrick nie aus den Augen verloren. Ich war glücklich, als Patrick sich für uns entschieden hat und unsere digitale Entwicklung verantwortet. Ein für uns so wichtiger Bereich, der die notwendige Kompetenz und Verantwortung braucht.

Was ist den eigentlich aus dem Traum der New Economy geworden?

Ehrlich gesagt, wir haben doch alle unsere Träume und Vorstellungen, wie unser Leben oder auch unsere berufliche Laufbahn erfolgen soll. Sind die Träume so alle in Erfüllung gegangen, wie wir uns das gewünscht haben? Aus den Träumen werden irgendwann einmal Ziele. Wenn wir unsere Ziele mit dem vergleichen, was wir uns gewünschten haben, hat sich so manches in eine Richtung entwickelt, die vielleicht gar nicht so weit vom einstigen Traum entfernt ist, manches vielleicht schon. Manches hat sich durch seine Eigendynamik selbst entwickelt, sodass die Ziele, die damit verbunden sind, dann auch in Erfüllung gegangen sind. Zufälle und unterschiedliche Persönlichkeiten beeinflussen einen Weg und eine Entwicklung. Sprechen wir hier vom Glück des Tüchtigen oder von Zufall? Wer weiß? Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem! Aber unterm Strich hat jeder eine gewisse Eigenverantwortung für das, was er erreichen will und wohin der Weg führt. Und am Ende gehört auch eine Portion Mut dazu den entscheidenden Schritt zu gehen.

Eine wichtige Voraussetzung und Verantwortung dabei ist es, die richtigen Persönlichkeiten und Menschen zusammenzubringen. Ich glaube, das ist heute eine der wichtigsten Voraussetzungen in der Entwicklung von Unternehmen. Menschen zu finden, deren einzelne Stärken und Fähigkeiten in der Kombination als Team ein großes, starkes Ganzes ergeben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kraft Entscheidungen zu treffen. Der Mut und die Entscheidungskraft lassen dich den Weg gehen. Wenn ich heute auf die New Economy zurückblicke, habe ich unseren großen, alten Billardtisch vor Augen, der unsere damaligen Büroräume in der Bleichstraße schmückte.
Ein großes Levi's Poster an der Wand (das ich heute noch aufbewahrt habe) verlieh uns den Spirit von den heutigen Start-up Unternehmen. Wir müssen zugeben, dass die alte Fabrikhalle, der einstigen Kofferfabrik, uns der New Economy ein bisschen näher brachte. In jedem Urlaub, den ich Mitte/Ende der 90er und Anfang der 2000er an der Westküste in San Francisco verbracht habe, fuhr ich zum Firmensitz von Razorfish. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich durch ein großes Schaufenster in die Räumlichkeiten von Razorfish blickte und das Ambiente so cool fand. Eine mit Licht an die Wand projizierte Digitaluhr ist mir hier nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Die Räumlichkeiten hatten damals wie unsere Zionskirche eine Empore. War das Zufall? Auch bei meinen Reisen nach New York habe ich mir regelmäßig die Standorte der großen Agenturen aus der New Economy angeschaut. Egal wie weit außerhalb der Städte sich die Büros befanden, egal in welchem Stadtteil von New York die waren, mir war kein Weg zu weit. Meine damalige Freundin hat mich glaube ich für verrückt erklärt, was ich immer für ein Aufwand betrieben habe, mir die Agenturen anzuschauen. Auf der einen Seite war das ein Traum, einmal so eine große Agentur zu haben, auf der anderen Seite aber auch ein Antrieb, immer weiter voranzugehen. Im tiefen Inneren hast Du dann diese Bilder immer vor Augen und im Gedächtnis, die mich zu diesem Weg angetrieben haben.

Transformation, die uns immer begleitet

Heute, nach über 20 Jahren im Agenturumfeld, stehen wir an einem Punkt, an dem wir mit Stolz auf das zurückblicken, was wir geschaffen haben. Mit all der Erfahrung und den Geschichten ist unser Anspruch an uns selbst sowie an unsere Agentur, Jahr für Jahr gestiegen. Das ist Fluch und Segen zugleich.

Was damals ein Traum von hippen Loft-Büros war, ist heute die glückliche Realität in dem außergewöhnlichen Ambiente der Zionskirche tätig sein zu können - weit aus schöner als es Lofts jemals sein könnten. Auch die Entwicklung, die wir als reine Digital-Agentur zu einer Agentur mit digitaler Prägung und tiefem Markenverständnis sowie der Leidenschaft für Design und Architektur vorgenommen haben, erfüllt uns sowohl mit Freude als auch mit Stolz.
Architektur ist im Gegensatz zu jeder Technologie und jedem Trend einfach etwas Unvergängliches. Architektur bleibt über Jahrzehnte und Jahrhunderten erhalten. Aber nur dann, wenn man das Richtige daraus macht. Es verleiht einen emotionalen Halt und Geborgenheit. Das Gleiche gilt für gutes Design.

Eine Erkenntnis in unserem Wachstum und Entwicklung war 2022, dass wir über eine externe Beraterin uns unserer eigene Markenidentität, unseren Purpose, unserer Vision und Mission noch einmal angenommen haben. Vielleicht war es der Instinkt als Unternehmer oder einfach die Erkenntnis, dass eine organisch gewachsene Agentur an seine Grenzen stoßt, wenn Prozesse, Abläufe und Strukturen nicht verändert werden. Vielleicht war es auch einfach nur bei mir ein Reifeprozess, als ich die 50 erreichte. Für uns war es ein wichtiger Branding-Prozess uns einmal genau vor Augen zu halten, wo wollen wir in 10 Jahren stehen. Gemeinsam mit meinem Management Board hatten wir diese Frage für uns beantwortet. Erst wenn einem das Ziel klar vor Augen ist, erst dann ist einem auch klar, was geändert werden muss, um dieses Ziel zu erreichen. Ein weiter wichtiger - wenn nicht gar der wichtigste Punkt - in unseren Workshops war die Formulierung unseres Purpose.  zeroseven inspiriert.
Abgeleitet das von war unsere Markenpositionierung „zeroseven Home of brand Evolution“.
Ein Versprechen das wir uns als Agentur als auch unseren Mitarbeitern gaben. Auch das ist ein Entwicklungsprozess, der für Veränderungen sorgt. Anfang 2023 waren wir dann knapp 45 Mitarbeiter. Mit unserem Ziel als Agentur vor Augen, hinterfragten wir viele Themen, die lange als gesetzt galten. Das Jahr 2023 ist für uns das Jahr der Veränderung. Aus unserem Management Board wurde dann ein Company Circle, der für die wichtigen Themen gemeinsam die Entscheidung trifft. Ein Veränderungsprozess, den wir aufgrund unserer Größe durchlaufen müssen, um unser Ziel erreichen zu können. Dabei durfte ich wieder viele neue Erfahrungen sammeln, was ein Veränderungsprozess eines Unternehmen angeht. Dieser Veränderungsprozess bedarf sehr viel Zeit, Geduld, das notwendige Budget und vor allem wieder Mut.

Der Digitalisierungsprozess verändert nicht nur die Arbeitswelt und die Anforderungen an Arbeitgeber. Prozesse und der stetige Wandel waren die beständigsten Begleiter der letzten 20 Jahre. In kaum einer anderen Branche werden Arbeitsabläufe und Methoden so schnell angepasst und verändert, als in der Digitalbranche. Die Digitalbranche ist ein Vorreiter wenn es um Prozesse oder auch Arbeitsmethoden geht. Von Design Thinking, Design Sprints bis hin zu KI haben sich unterschiedliche Methoden und Technologien die letzten Jahre etabliert und durchgesetzt. Wir stehen gerade erst am Anfang im Bereich der KI. Diese Technologie wir die nächsten Jahre einen starken Einfluss in unsere Arbeit und Gesellschaft haben.

Was sich heute jedoch schon sagen lässt ist, dass aus der „New Economy“ eine „Old New Economy“ wurde. Wir tragen immer noch keine Armani-Anzüge, sondern sind bodenständig geblieben. Wie damals gilt für uns auch heute, dass das Internet ein Handwerk ist, ein Handwerk aus Technologie und Vernunft, gepaart mit Service, Qualität und Verständnis. Über eine klare Haltung, eindeutige Positionierung, Kreativität und Design differenzieren wir uns als Unternehmen. Und die wichtigste Grundlage ist dabei eine Strategie.
Mit einem Verständnis, für das was der Kunde braucht und für Marken und den Markt. Bei allen schnellen Veränderungen, die uns die digitalen Themen gebracht haben, sind immer die Marken und Unternehmen dauerhaft hervorgegangen, die sich ihrer Werte und Stärken bewusst sind. Die wissen, für was sie stehen und was sie besonders gut können. Nicht umsonst ist heute ein wichtiges Bewertungskriterium von Unternehmen der Markenwert.

23 Jahre zeroseven

23 Jahre zeroseven – 23 Jahre voller prosperierender Projekte, unvergesslicher Momente und prägendem Miteinander mit Crew und Auftraggeber:innen. Zum Jubiläum eröffnen wir euch einen Querschnitt der letzten Jahre, eine unbeschreibliche und bewegende Zeit für unsere Ulmer Agentur. Schaut rein, resümiert und mit uns auch in Zukunft voraus.

Aus ein paar Gedanken, die ich aufschreiben wollte, ist doch eine längere Geschichte geworden. Meine Zeilen sollen auf keinen Fall als unternehmerische Weisheiten rüber kommen. Mir ist beim Schreiben nochmals bewusst geworden, welches Glück mich seit über 20 Jahre begleitet, was ich alles erfahren und erleben durfte. Und, wie dankbar ich für all die Erfahrungen bin. Erfahrung ist einer der wichtigsten Schätze, die wir unseren Kindern oder auch jüngeren Unternehmen mit auf den Weg geben können. Es ist sogar eine Verpflichtung von uns, unsere Erfahrung zu teilen. Wir lernen auch nie aus. Jeden Tage dürfen wir uns glücklich schätzen, dass unsere Erfahrung immer weiter wächst und uns am Ende hoffentlich zu weisen und auch stolzen Menschen macht. Für mich war es ein Rückblick auf den Start meiner Selbstständigkeit, auf die Entwicklung unserer Agentur. Viele tolle Erinnerungen sind mir beim Schreiben wieder eingefallen. Das Internet hat förmlich meine berufliche Laufbahn extrem geprägt, verändert und gesteuert. Darüber bin ich dankbar und vergesse aber nicht, wo meine Wurzeln sind und wo ich herkomme. Ein Junge vom Land, der sich früher nie vorstellen konnte in die Stadt zu ziehen. Die Arbeit wurde zum Lebensmittelpunkt und hat so manche Entwicklung und Veränderung beeinflusst und beschleunigt.

Ich freue mich, Sie mit diesem Blogbeitrag zu inspirieren, die Welt durch einzigartiges Design mitzugestalten.

Thomas Seruset CEO - Geschäftsführender Gesellschafter
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